Warum gemeinsame Erlebnisse wichtiger sind als materielle Dinge

Ein neues Kleid, eine neue Tasche oder ein schönes Stück für die Wohnung kann Freude machen. Trotzdem sind es oft nicht die Dinge, an die wir uns Jahre später erinnern, sondern gemeinsame Erlebnisse: ein besonderer Abend, eine Reise, ein spontaner Ausflug oder ein Nachmittag mit Freundinnen. Auch psychologische Forschung beschäftigt sich mit der Frage, warum Erfahrungen häufig nachhaltiger zu unserem Wohlbefinden beitragen als materielle Anschaffungen.

Was bleibt, wenn der Moment längst vorbei ist?

Wenn ich an besonders schöne Zeiten in meinem Leben zurückdenke, denke ich selten zuerst an etwas, das ich gekauft habe. Ich denke an Situationen. An einen bestimmten Abend. An Gespräche. An gemeinsames Lachen. An Reisen, Ausflüge oder kleine Momente, die wahrscheinlich niemand außer den Menschen, die dabei waren, besonders außergewöhnlich finden würde.

Und genau das finde ich spannend: Ein Erlebnis ist irgendwann vorbei und trotzdem kann es uns viel länger begleiten als ein Gegenstand, den wir noch Jahre später besitzen. Gemeinsame Erlebnisse schaffen Erinnerungen. Sie verbinden uns mit anderen Menschen und werden irgendwann zu einem Teil unserer eigenen Geschichte. Und das ist nicht nur ein schönes Gefühl. Auch die psychologische Forschung beschäftigt sich schon seit Jahren damit.

Erlebnisse können länger glücklich machen als Dinge

In der Konsumpsychologie wird zwischen materiellen Käufen und Erlebniskäufen unterschieden. Ein materieller Kauf ist beispielsweise Kleidung, Schmuck, Technik oder ein Möbelstück. Bei einem Erlebniskauf geben wir unser Geld dagegen hauptsächlich dafür aus, etwas zu erleben – beispielsweise für eine Reise, ein Konzert, ein besonderes Essen oder einen Workshop.

Forschungsarbeiten von Thomas Gilovich und anderen Wissenschaftlern der Cornell University kommen wiederholt zu dem Ergebnis, dass Menschen aus Erlebnissen häufig mehr und länger anhaltende Zufriedenheit ziehen als aus materiellen Anschaffungen. Das Interessante daran: Ein Gegenstand bleibt, während ein Erlebnis vergeht. Eigentlich könnte man deshalb genau das Gegenteil erwarten. Doch ein Erlebnis verschwindet nicht vollständig, nur weil es vorbei ist.

Erlebnisse werden zu Geschichten

Eine mögliche Erklärung finde ich besonders schön: Wir erzählen von unseren Erlebnissen.

In einer Reihe von acht Studien untersuchten Amit Kumar und Thomas Gilovich, worüber Menschen lieber sprechen und welchen zusätzlichen Wert dieses Erzählen hat. Menschen berichteten häufiger über Erlebnisse als über materielle Käufe und zogen auch aus dem späteren Erzählen ihrer Erfahrungen zusätzliche Freude. Das kenne ich auch aus dem eigenen Leben.

Über eine Tasche erzählt man wahrscheinlich nicht Jahre später beim Abendessen:

„Weißt du noch, damals, als ich diese Tasche gekauft habe?“

Bei einem gemeinsamen Erlebnis passiert genau das.

„Weißt du noch, als wir …?“

Und plötzlich lachen alle wieder. Das Erlebnis ist längst vorbei und trotzdem schafft die Erinnerung daran noch einmal Verbindung.

Gemeinsame Erinnerungen gehören irgendwann zu uns

Erlebnisse haben noch eine Besonderheit: Sie werden Teil unserer persönlichen Geschichte.

Wir erinnern uns an unseren ersten gemeinsamen Urlaub. An Geburtstage. An Konzerte. An einen völlig ungeplanten Abend, der plötzlich besonders wurde. Manchmal sind es nicht einmal die spektakulären Ereignisse.

Vielleicht erinnern wir uns später viel stärker an den Abend, an dem wir mit unseren Freundinnen stundenlang in der Küche saßen, als an irgendeinen teuren Gegenstand, den wir uns im gleichen Jahr gekauft haben. Das bedeutet natürlich nicht, dass materielle Dinge keine Freude machen können.

Ich liebe selbst schöne Dinge, Ästhetik und Gestaltung. Für mich liegt der Unterschied eher darin, welche Art von Wert etwas für mein Leben bekommt. Ein Gegenstand kann mein Leben schöner machen. Ein gemeinsames Erlebnis kann Teil meiner Geschichte werden.

Verbindung ist ein menschliches Grundbedürfnis

Besonders wertvoll werden Erlebnisse für mich, wenn wir sie mit anderen teilen. Auch dafür gibt es wissenschaftliche Hinweise. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 wertete 38 Forschungsarbeiten zu Freundschaften im Erwachsenenalter aus. Insgesamt zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen Freundschaften und verschiedenen Aspekten des Wohlbefindens. Besonders die Qualität der Freundschaften und gemeinsame soziale Zeit spielten dabei eine Rolle.

Eine andere Untersuchung fand ebenfalls einen Zusammenhang zwischen häufigeren persönlichen Treffen mit Freunden und höherem subjektivem Wohlbefinden. Freundschaften bestehen eben nicht allein daraus, dass wir wissen, dass jemand da ist. Sie brauchen gemeinsame Zeit.

Warum wir Erlebnisse miteinander teilen wollen

Forscher aus Dartmouth, Princeton und Harvard haben sogar untersucht, warum Menschen Erfahrungen überhaupt mit anderen teilen möchten. In mehreren Experimenten zeigte sich eine starke Motivation, Erlebnisse gemeinsam mit anderen zu erleben. Interessanterweise ließ sich das nicht einfach dadurch erklären, dass das Erlebnis in diesem Moment automatisch intensiver oder angenehmer wurde.

Die Teilnehmer selbst nannten vor allem einen anderen Grund: soziale Verbindung.

Das finde ich einen wichtigen Gedanken. Vielleicht muss gemeinsame Zeit gar nicht immer spektakulär sein, um wertvoll zu sein. Manchmal liegt ihr Wert schlicht darin, dass wir sie miteinander verbringen.

Freundschaften brauchen gemeinsame Zeit

Gerade im Erwachsenenleben finde ich das besonders relevant. Freundschaften passieren irgendwann nicht mehr automatisch. Man sitzt nicht mehr jeden Tag nebeneinander in der Schule oder sieht sich selbstverständlich auf dem Campus. Menschen arbeiten, ziehen um, gründen Familien, bauen Unternehmen auf oder haben vollkommen unterschiedliche Tagesabläufe.

Dadurch wird gemeinsame Zeit etwas, das wir bewusst schaffen müssen. Und vielleicht sollten wir genau deshalb manchmal genauso selbstverständlich Zeit in unsere Beziehungen investieren wie in andere Bereiche unseres Lebens. Nicht nur schreiben: „Wir müssen uns unbedingt mal wieder sehen.“ Sondern einen Termin machen.

Es muss nicht immer etwas Großes sein

Wenn wir von „Erlebnissen“ sprechen, denken wir schnell an Reisen, Konzerte oder außergewöhnliche Events.

Aber gemeinsame Erinnerungen brauchen für mich kein großes Budget.

Ein Picknick.

Gemeinsam kochen.

Ein Spaziergang mit Kaffee.

Ein kreativer Nachmittag.

Ein Spieleabend.

Zusammen einen neuen Ort entdecken.

Oder spontan irgendwo sitzen bleiben und zwei Stunden länger reden als geplant. Der Wert entsteht nicht automatisch durch den Preis des Erlebnisses. Er entsteht durch das, was währenddessen passiert.

Auch Vorfreude gehört zum Erlebnis

Spannend finde ich außerdem, dass der psychologische Wert eines Erlebnisses schon beginnen kann, bevor es überhaupt stattfindet.

Forschung zu Erlebniskäufen deutet darauf hin, dass die Vorfreude auf kommende Erlebnisse positiver erlebt werden kann als das Warten auf materielle Anschaffungen. Eigentlich kennt man dieses Gefühl. Der gebuchte Urlaub ist erst in drei Monaten und trotzdem redet man schon darüber.

Man schickt sich Restaurants, überlegt, was man machen möchte, zählt irgendwann die Wochen. Ein Teil der Freude beginnt lange vor dem eigentlichen Erlebnis.

Und danach bleibt die Erinnerung

Nach dem Erlebnis beginnt wiederum etwas anderes. Fotos werden geschickt. Geschichten erzählt. Insider entstehen. Manchmal reicht Jahre später ein einziger Satz und alle wissen sofort, welche Situation gemeint ist.

Interessanterweise gibt es sogar Hinweise darauf, dass Menschen für Erlebniskäufe häufiger Dankbarkeit empfinden als für materielle Anschaffungen. Forscher der Cornell University fanden dieses Muster sowohl experimentell als auch bei der Analyse von 1.200 Kundenbewertungen.

Vielleicht liegt darin ein Teil ihrer besonderen Wirkung: Wir besitzen das Erlebnis irgendwann nicht mehr. Aber wir können dankbar dafür sein, dass wir es erleben durften.

Gemeinsame Zeit bewusst priorisieren

Für mich bedeutet all das nicht, dass wir aufhören sollten, uns schöne Dinge zu kaufen.

Darum geht es überhaupt nicht. Es geht eher um die Frage, wofür ich mein Geld und vor allem meine Zeit einsetzen möchte. Wenn ich die Wahl habe zwischen dem nächsten Gegenstand, den ich wahrscheinlich irgendwann selbstverständlich finde, und einem besonderen Tag mit Menschen, die mir wichtig sind, möchte ich mich häufiger für den Tag entscheiden.

Denn Zeit ist letztlich eine der wenigen Ressourcen, die wir nicht zurückbekommen.

Zeit statt Zeug

Vielleicht gefällt mir deshalb der Gedanke „Zeit statt Zeug“ so gut. Nicht als radikale Lebensregel. Sondern als kleine Erinnerung daran, dass ein Geschenk nicht immer etwas sein muss, das man einpacken kann.

Ein gemeinsamer Workshop kann ein Geschenk sein.

Ein Konzertticket.

Ein gemeinsamer Tagesausflug.

Ein Abendessen.

Ein Wochenende.

Oder einfach ein fest reservierter Tag füreinander.

Gerade wenn jemand eigentlich schon alles hat, finde ich gemeinsame Zeit oft viel persönlicher als noch einen weiteren Gegenstand.

Was das für mich mit Feminine Mindset zu tun hat

Für mich gehört Verbindung ganz selbstverständlich zu Feminine Energy. Gemeinschaft, Austausch, gemeinsam kreativ sein, miteinander lachen, andere Frauen inspirieren und sich bewusst Zeit füreinander nehmen.

Genau deshalb spielt dieser Gedanke auch bei Cake Affairé eine Rolle. Natürlich geht man nach einem Tortenworkshop mit einer selbst gestalteten Torte nach Hause. Aber die Torte ist irgendwann aufgegessen.

Was hoffentlich länger bleibt, ist etwas anderes: Die Erinnerung daran, mit wem man dort war. Die Gespräche am Tisch. Das gemeinsame Gestalten. Vielleicht ein Foto. Ein Insider. Oder der Moment, in dem alle ihre fertigen Torten nebeneinanderstellen und sehen, wie unterschiedlich sie geworden sind. Das ist für mich der eigentliche Wert eines gemeinsamen Erlebnisses.

Die schönsten Dinge kann man nicht ins Regal stellen

Ich mag schöne Dinge und ich glaube nicht, dass wir Erlebnisse und Besitz gegeneinander ausspielen müssen. Aber wenn ich darüber nachdenke, was mein Leben wirklich reich macht, sind es vor allem Menschen, Erinnerungen und Momente.

Ein Gegenstand kann uns lange begleiten. Ein Erlebnis kann verändern, wie wir uns an eine ganze Zeit unseres Lebens erinnern. Und vielleicht lohnt es sich deshalb, nicht nur darüber nachzudenken, was wir uns als Nächstes kaufen möchten.

Sondern auch:

Was möchte ich als Nächstes erleben und mit wem möchte ich mich später daran erinnern?


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