Französisch inspiriert, fruchtig und knusprig
Knuspriger Mandel-Mürbeteig, eine fruchtige Himbeerschicht, cremige Vanille und ganz oben eine dünne, karamellisierte Zuckerkruste: Diese Vanille-Himbeer-Brûlée-Tarte verbindet gleich mehrere Dinge, die ich an französisch inspirierten Desserts besonders schön finde.
Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach. Statt eine klassische Crème brûlée in kleinen Förmchen zu servieren, bekommt sie hier einen knusprigen Tarteboden und eine fruchtige Himbeerschicht. Die Vanillecreme selbst wird dabei nicht mitgebacken. Erst der Boden wird vollständig blindgebacken, anschließend kommen Himbeeren und Vanillecreme hinein. Kurz vor dem Servieren wird die Oberfläche mit Zucker bestreut und karamellisiert.
So entsteht beim Anschneiden genau der Kontrast, den ich bei diesem Rezept haben wollte: knuspriger Boden, intensive Himbeere, weiche Vanillecreme und die knackende Karamellschicht obenauf.
Tartes und französische Pâtisserie
Tartes gehören heute ganz selbstverständlich zur französischen Pâtisserie. Dabei gibt es sie in unzähligen Varianten: mit Früchten, Schokolade, Nüssen, Cremes oder Kombinationen daraus. Zu den bekannten französischen Klassikern gehören beispielsweise die Tarte Tatin und die Tarte au citron meringuée.
Gerade die französische Pâtisserie zeigt aber auch, dass klassische Techniken nicht bedeuten, dass ein Dessert immer gleich aussehen oder schmecken muss. Bekannte Pâtissiers wie Pierre Hermé greifen traditionelle Grundlagen auf und entwickeln daraus neue Kombinationen und moderne Interpretationen.
Genau daran orientiert sich auch diese Tarte. Sie ist keine klassische Crème brûlée und auch keine traditionelle französische Tarte nach einem historischen Originalrezept. Stattdessen verbindet sie Elemente aus beiden Dessertwelten miteinander.
Was ist Pâte sucrée?
Für den Boden verwende ich einen Mandel-Pâte-sucrée. Pâte sucrée ist ein süßer französischer Tarteteig, der besonders gut zu feinen Creme- und Fruchtfüllungen passt.
In meinem Rezept kommen zusätzlich gemahlene Mandeln in den Teig. Sie passen geschmacklich besonders gut zu Himbeere und Vanille und geben dem Boden eine leicht nussige Note.
Wichtig ist, den Teig möglichst wenig zu bearbeiten. Er soll gerade so lange verarbeitet werden, bis sich alle Zutaten miteinander verbunden haben. Anschließend darf er im Kühlschrank ruhen. Ich bereite ihn deshalb gerne schon am Vortag vor.
Beim Auskleiden der Form sollte der Teig außerdem nicht gedehnt oder gezogen werden. Wird er unter Spannung in die Form gelegt, kann er sich beim Backen wieder zusammenziehen und der Rand schrumpft.
Warum muss der Tarteboden blindgebacken werden?
Bei dieser Tarte wird die Füllung später nicht mehr gebacken. Der Boden muss deshalb vollständig fertig sein, bevor Himbeerfüllung und Vanillecreme hineinkommen.
Genau dafür ist Blindbacken gedacht.
Der ausgelegte Tarteteig wird zunächst mit Backpapier bedeckt und mit Backgewichten, trockenem Reis oder Hülsenfrüchten beschwert. Dadurch wird der Teig während der ersten Backphase gestützt und kann nicht so leicht am Rand herunterrutschen oder sich am Boden aufwölben.
Besonders wichtig ist, dass die Gewichte nicht nur in der Mitte liegen. Sie sollten den Boden möglichst vollständig bedecken und auch die Seiten stützen.
Auch Kälte hilft: Nach dem Auskleiden der Form stelle ich den Teig noch einmal kalt bzw. friere ihn kurz ein. So ist die Butter beim Einschieben in den Ofen fest. Anschließend wird der Boden zunächst mit Gewichten und danach noch einige Minuten ohne Gewichte goldgelb fertig gebacken.
Mein Tipp für einen länger knusprigen Tarteboden
Zwischen Tarteboden und Himbeerfüllung kommt eine sehr dünne Schicht weiße Schokolade.
Das hat nicht nur geschmackliche Gründe. Die Schokolade bildet nach dem Festwerden eine kleine Barriere zwischen dem knusprigen Boden und der feuchten Fruchtfüllung. Dadurch zieht die Feuchtigkeit nicht so schnell in den Tarteteig ein und der Boden bleibt länger knusprig.
Die Schokoladenschicht sollte allerdings wirklich dünn sein. Sie soll beim Essen keine eigene dicke Schicht bilden, sondern hauptsächlich den Boden versiegeln.
Himbeeren und Vanille: süß trifft säuerlich
Unter der Vanillecreme befindet sich eine dünne Himbeerfüllung aus TK-Himbeeren. Dafür werden die Himbeeren mit etwas Zucker und Zitronensaft aufgekocht und mit wenig Speisestärke gebunden.
TK-Himbeeren funktionieren hier besonders gut, weil sie ohnehin eingekocht werden. Gleichzeitig lässt sich die Himbeerschicht unabhängig von der Saison zubereiten.
Die leichte Säure der Himbeeren ist für dieses Rezept wichtig. Vanillecreme, weiße Schokolade und karamellisierter Zucker bringen bereits viel Süße mit. Die Himbeere sorgt deshalb für einen frischen Gegenpol und verhindert, dass die Tarte geschmacklich zu schwer wird.


Die Vanillecreme wird nicht gebacken
Anders als bei einer klassischen Crème brûlée wird die Vanillecreme für diese Tarte nicht im Ofen gegart.
Milch, Sahne und Vanille werden erhitzt und anschließend mit Eigelb, Zucker und Speisestärke zu einer glatten Creme gekocht. Etwas Butter rundet die Creme am Ende ab.
Die noch warme Creme kommt direkt auf die vollständig ausgekühlte Himbeerfüllung. Anschließend muss die Tarte mehrere Stunden, am besten über Nacht, im Kühlschrank durchkühlen.
Dadurch wird die Creme schnittfest, bleibt aber trotzdem weich und cremig.
Wer möchte, kann zusätzlich eine kleine Menge fein geriebene Tonkabohne zur Vanille geben. Tonka erinnert geschmacklich unter anderem an Vanille, Mandel und warme Gewürznoten und passt deshalb besonders schön zur Kombination aus Mandelboden, Himbeere und Karamell.
So entsteht der Crème-brûlée-Effekt
Das Wichtigste kommt ganz zum Schluss.
Erst unmittelbar vor dem Servieren wird die kalte Vanillecreme mit einer dünnen, gleichmäßigen Schicht Zucker bedeckt. Anschließend wird der Zucker mit einem Flambierbrenner karamellisiert.
Dabei sollte der Brenner ständig bewegt werden. Ziel ist es, den Zucker möglichst schnell zu karamellisieren, ohne die Creme darunter unnötig lange zu erhitzen.
Nach kurzer Zeit wird das Karamell fest und bildet die typische knackige Oberfläche.
Und genau deshalb sollte dieser Schritt wirklich erst kurz vor dem Servieren passieren: Karamellisierter Zucker zieht mit der Zeit Feuchtigkeit aus der Creme und verliert dadurch seinen Crunch.
Kann ich die Vanille-Himbeer-Tarte glutenfrei backen?
Ja. Gerade dieses Rezept lässt sich vergleichsweise einfach glutenfrei abwandeln.
Himbeerfüllung und Vanillecreme enthalten in der Rezeptur ohnehin kein Weizenmehl. Entscheidend ist deshalb vor allem der Pâte-sucrée-Boden.
Das Weizenmehl kann durch eine geeignete glutenfreie Mehlmischung für Kuchen, Kekse und feines Gebäck ersetzt werden. Eine Möglichkeit ist beispielsweise Schär Mix C – Kuchen & Kekse / Pâtisserie. Die Mischung ist speziell für süßes Gebäck gedacht und gluten- sowie weizenfrei.
Bei einer strikt glutenfreien Zubereitung sollte natürlich nicht nur das Mehl entsprechend gekennzeichnet sein. Auch bei Speisestärke, Schokolade und allen weiteren verarbeiteten Zutaten sollte die jeweilige Kennzeichnung geprüft und auf eine glutenfreie Arbeitsumgebung geachtet werden.
Ein weiterer Vorteil: Bei einem Tarteteig ist Gluten für die gewünschte Textur ohnehin weniger entscheidend als beispielsweise bei einem elastischen Hefeteig. Ein guter Pâte sucrée soll mürbe und knusprig sein und nicht besonders elastisch werden. Deshalb eignet sich gerade diese Art von Gebäck gut für eine glutenfreie Variante.
Ein kleines Stück französische Pâtisserie für zu Hause
Wer sich einmal die Schaufenster großer Pariser Pâtisserien anschaut, merkt schnell, wie viel dort mit Texturen gearbeitet wird. Knusprige Böden treffen auf weiche Cremes, Frucht auf Süße und klassische Techniken auf moderne Kombinationen.
Pierre Hermé gehört zu den international bekannten Namen der modernen französischen Pâtisserie und ist besonders dafür bekannt, klassische Techniken mit ungewöhnlichen Aromen und neuen Kombinationen weiterzudenken.
Meine Vanille-Himbeer-Brûlée-Tarte ist natürlich keine Kopie eines bestimmten französischen Originals. Aber genau diese Idee von unterschiedlichen Texturen und einer modernen Kombination klassischer Elemente war die Inspiration dahinter.
Der Mandel-Pâte-sucrée sorgt für den Crunch, die Himbeere bringt Säure und Fruchtigkeit, die Vanillecreme macht die Tarte weich und cremig und ganz oben sorgt die karamellisierte Zuckerschicht für den Moment, auf den man beim Anschneiden eigentlich wartet.
Mit Liebe gebacken,

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