Die Gedanken, die mich begleiten
Es gibt Sätze, die man einmal liest und sofort wieder vergisst. Und dann gibt es Gedanken, die irgendwann Teil der eigenen Sichtweise werden. Vielleicht, weil man sie genau im richtigen Moment gelesen hat. Vielleicht, weil man eine Erfahrung gemacht hat, die ihnen plötzlich eine ganz andere Bedeutung gibt.
Für mich sind solche Gedanken weniger feste Lebensregeln als kleine Erinnerungen. Sie helfen dabei, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten, gerade dann, wenn man selbst mitten in einer Veränderung steckt.
Einige davon haben mit Mut und Selbstvertrauen zu tun, andere mit Kreativität, persönlicher Entwicklung oder der Frage, wie man eigentlich leben möchte. Und manche erinnern mich schlicht daran, nicht alles kontrollieren zu müssen.
Nicht alles muss perfekt sein, bevor man anfängt
Einer der Gedanken, der mich besonders im Zusammenhang mit Cake Affairé begleitet, ist die Idee, dass man nicht erst perfekt vorbereitet sein muss, bevor man etwas Neues beginnt.
Gerade wenn man etwas Eigenes aufbaut, gibt es immer Dinge, die man noch nicht weiß. Man kann recherchieren, planen und sich vorbereiten, aber irgendwann kommt der Punkt, an dem man anfangen muss, obwohl noch nicht jede Frage beantwortet ist.
Das bedeutet nicht, unüberlegt zu handeln. Es bedeutet vielmehr, akzeptieren zu können, dass Lernen und Ausprobieren Teil des Weges sind.
Auch die Forschung zum sogenannten Growth Mindset von Carol Dweck beschäftigt sich mit der Vorstellung, dass Fähigkeiten nicht einfach unveränderlich feststehen, sondern sich durch Lernen, neue Strategien und Erfahrungen weiterentwickeln können.
Mein Gedanke dazu:
Ich muss nicht schon können, was ich erst noch lernen möchte.
Kreativität braucht nicht immer einen Zweck
Kreativität wird häufig dann besonders wertgeschätzt, wenn am Ende etwas „Nützliches“ entsteht. Ein fertiges Produkt, ein schönes Foto, eine erfolgreiche Idee oder etwas, das man verkaufen kann.
Aber Kreativität darf auch einfach ein Ausdruck sein.
Gerade deshalb bedeutet kreatives Arbeiten für mich nicht nur, eine Torte möglichst schön zu gestalten. Es geht auch darum, Farben auszuprobieren, etwas entstehen zu lassen und für einen Moment nicht darüber nachzudenken, ob das Ergebnis einem bestimmten Maßstab entspricht.
Das passt auch zu dem Gedanken von Brené Brown, die Kreativität eng mit der Bereitschaft verbindet, sich verletzlich zu zeigen und etwas Unfertiges in die Welt zu bringen. Sie beschreibt Verletzlichkeit als einen Ausgangspunkt für Innovation, Kreativität und Veränderung.
Mein Gedanke dazu:
Etwas muss nicht perfekt sein, um wertvoll zu sein.
Man darf seine Meinung verändern
Persönliche Entwicklung bedeutet für mich auch, nicht an einer früheren Version von sich selbst festhalten zu müssen.
Wir treffen Entscheidungen mit dem Wissen, das wir zu diesem Zeitpunkt haben. Später kommen neue Erfahrungen dazu und plötzlich sieht eine Situation anders aus.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die frühere Entscheidung falsch war. Vielleicht war sie für den damaligen Stand genau richtig.
Ich finde es deshalb befreiend, sich selbst die Erlaubnis zu geben, die eigene Meinung zu verändern, neue Wege einzuschlagen oder festzustellen: Heute sehe ich das anders.
Mein Gedanke dazu:
Ich darf mich verändern, ohne mich für mein früheres Ich rechtfertigen zu müssen.
Mut bedeutet nicht, keine Zweifel zu haben
Ich glaube nicht, dass mutige Menschen grundsätzlich weniger Angst oder Zweifel haben. Oft bedeutet Mut eher, etwas trotz dieser Unsicherheit zu tun.
Gerade beim Aufbau von Cake Affairé gab und gibt es immer wieder Situationen, in denen ich nicht genau weiß, wie etwas ausgehen wird. Das gehört für mich zur Selbstständigkeit dazu.
Brené Brown beschreibt Mut ebenfalls nicht als Abwesenheit von Verletzlichkeit. In ihrer Forschung verbindet sie Mut vielmehr mit der Bereitschaft, Unsicherheit, Risiko und emotionale Offenheit auszuhalten.
Mein Gedanke dazu:
Ich muss nicht sicher sein, um den nächsten Schritt zu gehen.
Nicht jede Antwort muss sofort gefunden werden
Wir leben in einer Zeit, in der vieles möglichst schnell geklärt werden soll. Welche Entscheidung ist richtig? Welcher Weg ist der beste? Was soll ich jetzt machen?
Manchmal gibt es darauf aber noch keine Antwort.
Ich finde den Gedanken schön, dass man nicht jede Entscheidung sofort endgültig treffen muss. Manche Dinge dürfen sich entwickeln. Manchmal versteht man erst im Rückblick, warum ein bestimmter Weg wichtig war.
Gerade persönliche Entwicklung besteht deshalb nicht nur aus Entscheidungen. Sie besteht auch aus Beobachten, Ausprobieren und Warten.
Mein Gedanke dazu:
Ich muss nicht alles heute wissen, was erst morgen klar werden kann.
Vergleich nimmt der eigenen Kreativität den Raum
Gerade in sozialen Medien ist es unglaublich leicht, ständig zu sehen, was andere bereits erreicht haben. Ein schöneres Studio, mehr Kunden, größere Reichweite, bessere Fotos, erfolgreichere Produkte.
Vergleiche können manchmal inspirieren. Sie können aber genauso schnell dazu führen, dass man das eigene Leben nur noch anhand fremder Ergebnisse bewertet.
Ich möchte deshalb immer wieder daran denken, dass ich nicht denselben Weg wie jemand anderes gehen muss.
Mein Gedanke dazu:
Inspiration darf mich bereichern, aber sie muss mich nicht von meinem eigenen Weg abbringen.
Erfolg sieht nicht bei jedem Menschen gleich aus
Erfolg wird häufig über Zahlen definiert: Umsatz, Follower, Reichweite, Karriere, Besitz oder Status.
Natürlich können solche Dinge relevant sein. Aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte.
Für jemanden kann Erfolg bedeuten, ein Unternehmen aufzubauen. Für jemand anderen bedeutet er vielleicht, mehr Zeit für die Familie zu haben, kreativ arbeiten zu können oder morgens aufzuwachen und das eigene Leben stärker selbst gestalten zu können.
Deshalb versuche ich, Erfolg nicht ausschließlich daran zu messen, wie etwas von außen aussieht.
Mein Gedanke dazu:
Erfolg ist nicht nur das Ergebnis, das andere sehen. Es ist auch das Leben, das sich für mich richtig anfühlt.
Man darf sich Zeit lassen
Persönliche Entwicklung ist kein Wettbewerb.
Es gibt keinen festen Zeitpunkt, an dem man selbstbewusst, erfolgreich, angekommen oder „fertig entwickelt“ sein muss. Manche Dinge brauchen länger als andere.
Auch das ist etwas, das ich immer wieder neu lernen muss: Nicht jede Entwicklung muss beschleunigt werden.
Die eigene Geschwindigkeit ist nicht automatisch die falsche Geschwindigkeit.
Mein Gedanke dazu:
Ich muss nicht schneller werden, nur weil jemand anderes schon weiter ist.
Aufmerksamkeit ist eine Form von Wertschätzung
Ein Gedanke von Mary Oliver begleitet mich besonders: In ihrem Gedicht The Summer Day fragt sie am Ende, was man mit dem „one wild and precious life“ anfangen möchte. Die Poetry Foundation führt diese Zeile als eines ihrer bekanntesten Zitate an.
Ich mag daran weniger die große Lebensweisheit als die einfache Frage dahinter: Worauf richte ich eigentlich meine Aufmerksamkeit?
Denn Aufmerksamkeit ist begrenzt. Wir können nicht gleichzeitig überall sein, alles erleben und jedem Menschen unsere volle Aufmerksamkeit schenken.
Vielleicht bedeutet bewusster zu leben deshalb manchmal einfach, genauer hinzusehen.
Mein Gedanke dazu:
Worauf ich meine Aufmerksamkeit richte, bekommt einen Teil meines Lebens.
Nicht jede Erfahrung muss sofort einen Sinn ergeben
Es gibt Situationen, bei denen man erst viel später versteht, was man aus ihnen mitgenommen hat.
Manchmal versucht man zu schnell, aus allem eine Lektion zu machen. Dabei darf etwas auch einfach schwierig, schön, enttäuschend oder überraschend gewesen sein, ohne dass man sofort erklären kann, warum es passiert ist.
Vielleicht entsteht die Bedeutung einer Erfahrung manchmal erst dadurch, wie man später mit ihr weitergeht.
Mein Gedanke dazu:
Nicht alles muss sofort einen Sinn ergeben, um Teil meiner Entwicklung zu sein.
Ich möchte Dinge erschaffen, die sich nach mir anfühlen
Das ist wahrscheinlich einer der Gedanken, die am stärksten mit Cake Affairé verbunden sind.
Ich möchte nicht einfach etwas nachbauen, das bereits tausendmal existiert. Mich interessiert viel mehr die Frage, wie etwas entstehen kann, das eine eigene Atmosphäre, Ästhetik und Idee besitzt.
Das gilt für Torten genauso wie für Workshops, Räume und Erlebnisse.
Kreativität bedeutet für mich deshalb nicht nur, etwas Schönes zu machen. Sie bedeutet auch, eine eigene Handschrift zu entwickeln.
Mein Gedanke dazu:
Ich muss nicht etwas kopieren, das bereits funktioniert. Ich darf herausfinden, was sich nach mir anfühlt.
Manchmal ist man näher dran, als man denkt
Eine Metapher, die ich in diesem Zusammenhang sehr passend finde, ist die Geschichte vom Goldgräber, der immer weiter gräbt. Er arbeitet sich Tag für Tag durch die Erde, sucht nach Gold und investiert Zeit, Energie und Geduld. Irgendwann ist er erschöpft und entscheidet sich aufzuhören. Was er nicht weiß: Nur wenige Zentimeter unter der Stelle, an der er aufgegeben hat, liegt tatsächlich Gold.
Die Geschichte wird häufig als Sinnbild für Beharrlichkeit erzählt. Auch wenn sie in dieser Form eher eine Metapher als eine belegte historische Geschichte ist, steckt darin ein Gedanke, den ich wichtig finde: Wir können selten erkennen, wie nah wir an einem Ergebnis sind.
Gerade wenn man etwas Eigenes aufbaut, gibt es Phasen, in denen man sich fragt, ob sich die ganze Arbeit überhaupt lohnt. Man investiert Zeit, probiert Dinge aus, verändert Pläne und sieht vielleicht lange nicht das Ergebnis, das man sich erhofft hat. Genau dann entsteht leicht das Gefühl, dass es keinen Sinn mehr macht.
Aber manchmal bedeutet ein ausbleibendes Ergebnis nicht, dass man auf dem falschen Weg ist. Vielleicht braucht es eine andere Strategie. Vielleicht muss man etwas verändern. Und manchmal braucht es tatsächlich einfach noch etwas Zeit.
Für mich liegt deshalb ein wichtiger Unterschied zwischen Beharrlichkeit und blindem Festhalten. Beharrlich zu sein bedeutet nicht, immer wieder dasselbe zu tun, obwohl es offensichtlich nicht funktioniert. Es bedeutet, das Ziel nicht sofort aufzugeben, nur weil der Weg dorthin schwieriger oder länger ist als erwartet.
Manchmal muss man weitergraben. Manchmal muss man die Richtung ändern. Und manchmal muss man erkennen, dass es überhaupt nicht die richtige Stelle ist.
Aber den Moment, in dem man aufhört, sollte man nicht mit dem Moment verwechseln, in dem etwas unmöglich geworden ist.
Mein Gedanke dazu:
Ich weiß nicht, wie nah ich bereits dran bin. Deshalb möchte ich nicht genau dann aufgeben, wenn nur noch ein kleiner Schritt fehlt.
Und vielleicht ist das die wichtigste Weisheit
Wenn ich all diese Gedanken auf einen einzigen reduzieren müsste, wäre es wahrscheinlich dieser:
Ich muss mein Leben nicht vollständig verstehen, bevor ich es leben darf.
Man kann Pläne haben und sie wieder verändern, etwas wagen und später feststellen, dass man einen anderen Weg einschlagen möchte, sich weiterentwickeln, ohne ständig eine bessere Version von sich selbst werden zu müssen.
Und vielleicht geht es bei persönlicher Entwicklung am Ende gar nicht darum, irgendwann „fertig“ zu sein.
Vielleicht geht es vielmehr darum, neugierig auf die eigene Entwicklung zu bleiben.

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